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Haarbr├╝ck – heute (1956) und fr├╝her

Amt Beverungen 1956 05 Februar, 2010

Jetzt geht es aber ins Finale mit und aus Hermann Noltes Heimatb├╝chlein, wir lesen nun ├╝ber seine Eindr├╝cke und Gef├╝hle von Haarbr├╝ck, diesem hoch gelegenen ├ľrtchen….

Kennen Sie Haarbr├╝ck? Wissen Sie etwas ├╝ber dieses nette Bergd├Ârfchen? ….Nein? Na, f├╝r mich hat schon der blo├če Name Haarbr├╝ck einen ganz besonderen Klang. Einmal deshalb, weil man bereits nach einem kleinen Fu├čmarsch von Beverungen aus die Haarbr├╝cker k├Âstliche Stille und weltentr├╝ckte Einsamkeit genie├čen kann. Zum zweiten sind es tausend Jagderinnerungen, die mich lebenslang mit dem lieben D├Ârfchen verbinden. Vor allem aber ist es das ├Ąu├čere und innere Gepr├Ąge des Ortes, das mich auch in meinem hohen Alter immer noch anzieht.
Der Fu├čg├Ąnger, der vom Schiffstal oder von der „Lanfert“ her die H├Âhe erreicht hat, kann hier in einer reizvollen Landschaft ein Dorfbild bewundern, das zu den feinsten im Amtsberzirk Beverungen z├Ąhlt. Auf einem gestreckten H├╝gel und an seinen s├╝dlichen Abh├Ąngen sind die schwarz-wei├čen Fachwerkh├Ąuser von Haarbr├╝ck eng zusammengedr├╝ckt. Aus dem Teppich der roten Ziegeld├Ącher schaut der spitze Turm des Dorfkichleins heraus. War auch der steile Anstieg zur Bever-Bergplatte etwas anstrengend, so spaziert man im Dorfe ├╝ber die fallende Stra├če leicht der Dorfmitte zu. Wer dann in gleicher Richtung weiter wandert, der ist bald im Warburger Land (B├Ârde), wer aber mitten im Dorf links abbiegt, der kommt bald ins Hessische.
In Haarbr├╝ck selbst gibt sich das Leben noch g├Ąnzlich l├Ąndlich – geruhsam. Am Tage herrscht ein Tempo, das dem langsamen Schreiten der K├╝he abgelauscht wurde. Es mu├č zum Ruhme des Dorfes gesagt werden, da├č unter der Bev├Âlkerung noch eine Atmosph├Ąre ausgesprochener Freundlichkeit, H├Âflichkeit und guter Nachbarschaft herrscht. Der Fremde ist in Haarbr├╝ck sofort kein Fremder mehr, sondern Freund, den man artig begr├╝├čt und anst├Ąndig behandelt. In den furchtbaren Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren wurde wohl in wenigen D├Ârfern den Fremden so viel Gutes getan wie gerade in Haarbr├╝ck.

Zu Fu├č „keine Mode mehr“

Luxushotels gibt es im D├Ârfchen Haarbr├╝ck zwar nicht, aber wer keine zu gro├čen Anspr├╝che stellt, der kann in den zwei Dorfwirtsh├Ąusern f├╝r wenig Geld doch allerlei Sch├Ânes haben. Erfreulich ist es, da├č sich die m├Ąnnliche Dorfjugend in ihrer Freizeit f├╝r den Sport interessiert und ihn auch wirklich betreibt. Dagegen ist bei alt und jung in den letzten Jahren das Fu├čwandern zur Stadt Beverungen fast v├Âllig aus der Mode gekommen. Das ist die „Philosophie“ unserer Zeit. – Schade!

Das gro├če und l├╝ttke „Haarbr├╝ck“

Haarbr├╝ck, das stille Dorf auf dem Bergplateau, ist in altersgrauer Zeit wahrscheinlich von Herstelle aus gegr├╝ndet worden. Das darf man darum annehmen, weil seit jeher zwischen Haarbr├╝ck und Herstelle enge Beziehungen bestanden haben. Die kleine Siedlung bestand aus zwei nicht weit voneinandergelegenen Teilen, das gro├če und das l├╝ttke Haarbr├╝ck genannt. Jahrhundertelang waren die Bewohner von Haarbr├╝ck der adeligen Gutsherrschaft Kemperfeld in Herstelle zins- und dienstpflichtig, hatten aber unentgeltliche Brennholz- und Weideberechtigung in dem in der N├Ąhe des Ortes gelegenen, der Herrschaft Kemperfeld geh├Ârende Walde.

Hersteller Guardian Pfarrer

In der Soester Fehde (1444/47) wurde der Ort mit der┬ámassiven Kirche total zerst├Ârt, ist dann aber bald an der einzigen Quelle in geschlossener Form wieder aufgebaut worden. Eine neue Kapelle von Fachwerk erbaute man im Jahre 1608.
Die armen, aber flei├čigen und gen├╝gsamen Leute ern├Ąhrten sich in der damaligen Zeit k├╝mmerlich von Ackerbau und Leineweberei. Ihre Pastorisierung besorgten Minoriten-Patres des Kloster Herstelle; diese bekamen daf├╝r j├Ąhrlich 60 Scheffel* Gerste. Der Guardian des Klosters Herstelle war zugleich Pfarrer von Herstelle und Haarbr├╝ck und als solcher Patron der Schule.

*┬á = 1 Scheffel waren 54 kg (also ungef├Ąhr ein Zentner)
**= Der Guardian ist eine vom Lateinischen guardianus (ital. guardiano) der W├Ąchter bzw. H├╝ter abgeleitete Bezeichnung f├╝r das auf drei Jahre ernannte Oberhaupt eines Franziskaner- oder Kapuzinerkonvents. Der Stellvertreter des Guardians wird als Vikar┬ábezeichnet.

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