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Standard-Tag in den 50ern

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Badetag (Samstags)

Ohne „Anmachholz“ kein Feuer. Das Amh. wurde im Holzschuppen aus Holzscheiten gehackt, die dort trocken eingelagert waren. Dort stand auch ein Hauklotz, meist das Ende eines dicken Baumes, der schön hart sein musste. In diesem steckte das „Anmachholzbeil oder auch eine „Anmachholzaxt“. Für die Erwachsenen die Axt, und für die jüngeren das Beil. So, das wäre jetzt auch geklärt. Für das Amh. suchte man sich einen Holzscheit aus, der wenig Äste hatte, der ließ sich besser spalten. Als erstes wurde das Scheit in mehrere Längsstücke gehackt, so dick wie ein ordentliches Schnitzel. Dann hackte man die einzelnen „Holzschnitzel“ in kleine, schmale, dünne lange Holzstäbchen. Es wurde so lange gehackt, bis man meinte: so das langt!!
Im Ofen lag schon altes Zeitungspapier, auf dieses wurde das Amh. schön locker aufgeschichtet. Zur Krönung des ganzen legte man diesem Haufen dann die Krone auf, ein super trockenes Holzscheit. Das Papier steckte man dann an, und derjenige, der das Amh. gemacht hatte, betete, ob er auch ein trockenes Stück erwischt hatte – meistens ging ja alles gut. Jetzt konnte das Badewasser heiss werden.
Na ja, wenn man sparen musste, wurde nicht immer neues Badewasser genommen, sondern einfach nachgeschüttet. Den letzten in der Reihe bissen dann die Hunde, er hatte zwar das meiste Wasser in der Wanne, aber es war nicht mehr das sauberste. Aber wer hat da früher schon drauf geachtet, Hauptsache heiss und nass!! Und sauber sind wir geworden – immer, und die Haare wurden mit frischem Wasser ausgespült.
Und dann schnell anziehen und ab in den Schuppen……, das war Samstags unser Ziel, unvergessen, oder in die Post. Daher kommt wohl der Spruch: …und ab geht die Post (und ab in die Post!!).

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Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freundinnen und Freunde!
Ich möchte ab und zu eine (wahre) Geschichte aus dem Alltagsleben unseres Lebens aus den „Fünfziger-Jahren“ hier einfließen lassen. Natürlich, und liebend gerne könnt Ihr mir auch „Geschichten aus dem Alltagsleben in den 50ern“ zuschicken. (Selbstverständlich dürfen sie, die Geschichten, auch von Anfang 60 sein – aber bitte nicht mißverstehen, nicht da geboren, sondern da gelebt. Boh äh, ist´s heute wie mit der Eisschicht – alles „Roger: Verstanden!! Ich würde mich sehr darüber freuen. (Riesig freue ich mich, wenn sie da sind, die Geschichten.)

Dann beginne ich mit einem „Wäschewaschtag“:

Ein „Wäschetag“ in den 50ern war ein Familientag, denn alle mussten mit ran (war bei uns so). Es war ja auch die reinste Quälerei, für die, die die Wäsche stampfen mussten. Aber der Reihe nach:
Zuerst wurde Wasser in den Waschkessel per Schlauch oder per Eimer gefüllt, dann wurde dieser angeheizt mit Holz, und wehe dem, der Feuerdienst hatte und es ausgehen liess, der hatte aber gelitten. Die Wäsche kam dann in das heisse Wasser, Waschpulver wurde zugeschüttet und los ging die Stampferei. Wer schon einen neuen „Wäschestampfer“ hatte war gut dran, denn dieser ging schon etwas leichter als die selbst zusammen gebastelten Stampfer. Man stelle sich einen umgedrehten hohen Kochtopf vor, dieser hat ringsum Löcher, und am Topfboden ist ein Stiel angeschweisst – das ist ein Wäschestampfer. Die neueren Wäschestampfer hatten schon weichere Formen und sahen edler aus. Ich habe aber auch welche gesehen, die aus alten Wehrmachtshelmen angefertigt waren. Sodele, jetzt wurde die Wäsche im Kessel, mit dem heissen Wasser und dem Waschmittel drin, gestampft. Stampfer hoch mit beiden Händen und mit aller Kraft hinein in den Kessel – auf und nieder, immer wieder, bis dass der Schweiss in Strömen floss, und die Hände wie das Feuer unter dem Kessel brannten. Nach einer Runde Stampferei im Kessel holte man dann die Wäsche aus den unteren Regionen des Kesseln nach oben, damit auch jedes Wäschestück seine Portion Stampferei bekam. Dazu wurde ein sauberer, dicker Holzknüppel verwendet, der aber auch dazu gebraucht wurde, demjenigen das Holz schmackhaft zu machen, der das Feuer hatte ausgehen lassen. (aber das nur nebenbei).
So, jetzt aber genug gestampft, jetzt muss die Wäsche ja gespült werden. Dafür standen Wäschekörbe bereit, die auf einem „Bollerwagen“ standen. Diesen „Bollerwagen“ durften wir Kinder dann an die Weser ziehen zum „Wäsche-Spül-Steg“, (hab das Wort grad erfunden) heute sagt man Bootsanleger dazu. Dort knieten dann die Frauen einträchtig nebeneinander auf dem „W-S-S“ und spülten die vorher gestampften Wäschestücke. Das war genauso eine Knochenarbeit wie das Stampfen. Nasse Wäsche ist schwer, sie musste ausgewrungen werden, wieder hinein in die Weser, durchgezogen, heraus, auswringen, solange, bis der letzte Rest Waschmittel aus der Wäsche verschwunden war. Die Wiese an der Weser, wo der „W-S-S“ lag, nannten wir die Bleiche. Hier wurden die gespülten und ausgewrungenen Wäschestücke planeben nebeneinander gelegt, damit die liebe Sonne (falls vorhanden) das Trocknen übernehmen konnte. Wir Kinder hatten dann Enten- und Gänsedienst. Wir musste aufpassen, dass kein Federvieh über die jetzt saubere Wäsche watschelte (bei uns Menschen hätte ich latschte geschrieben).
Und ehe wir uns versahen, war es Abend geworden. Die Kirchenglocken läuteten zum „Engel des Herrn“ – 18.00 Uhr – Feierabend. Zeit für das Abendessen. Und das hat dann geschmeckt………


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